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Die Reise zur schwarzen Sonne
07.08.-17.08.2026, Spanien
SoFi-Brille
Warten auf
die Finsternis
Mittwoch 12.08 DER TAG DER TAGE! Endlich ist es soweit: Heute findet die totale Sonnenfinsternis statt, und auch auf unserer Zeltwiese macht sich das bemerkbar. Viele Camper sind am Abend vorher schon aufgebrochen, und andere machen sich bereit zu Abreise. Auch wir bleiben heute nicht hier, denn hier ist die Zeit der Totalität mit gerade einmal 45 Sekunden sehr kurz. Auch wenn wir die Finsternis von unserem Zelt aus bequem beobachten könnten.

In ganz Navarra hat man an verschiedenen Stellen Beobachtungspunkte eingerichtet. Für einen geringen Obolus (6,20 € plus kostenloser Parkplatz) hatte ich online zwei Eintrittskarten erworben. So erspare ich mir die Mühe, einen geeigneten Beobachtungsplatz suchen zu müssen und dort den ganzen Tag lang ausharren zu müssen, denn die Finsternis findet am Abend statt.

Der Zugang zum Beobachtungsplatz ist ab 11 Uhr geöffnet, und wir lassen uns noch etwas Zeit, zumal unser Zelt noch im Schatten liegt, aber dann ist die Unruhe doch größer und wir bereiten die Abfahrt vor. Das Wichtigste am heutigen Tag ist viel Wasser mitzunehmen, denn es werden bis zu 38 Grad erwartet. Die Fotoausrüstung ist schon im Auto, auch zwei Ferngläser, wir packen zwei Hocker ein, die Picknickdecke, Sonnenschirme und Proviant und machen wir uns auf den Weg nach Lodosa, einen etwa 45 km entfernten Ort im Tal des Ebro an der Grenze der Navarra. Etwas näher an der Zentrallinie des Mondschattens haben wir eine um eine halbe Minute längere Phase der Totalität.

Lodosa liegt südwestlich von Mendigorria. Wir werden vom Navi über wenig befahrene Straßen geleitet. An einer Stelle sehen wir einen solchen Beobachtungspunkt. Dort parken schon etliche Autos, es sind Pavillons, Toilettenhäuschen, WasserTonnen aufgebaut. Das Beobachtungsfieber steigt, denn das ist der erste Hinweis auf die Finsternis, dem wir begegnen.

Vor Lodosa biegen wir nach links ab in Richtung Sartaguda, denn der Beobachtungspunkt mit dem weit sichtbaren Turm liegt etwa 4 km südlich von Lodosa entfernt. In Sartaguda verfahren wir uns und müssen umkehren und den Ort umfahren. Dann sind wir noch einmal auf der falschen Strecke. Das erkenne ich aber, weil ich zuvor in Google Maps die Strecke virtuell schon abgefahren bin. Hier vermissen wir eine Beschilderung.
Blick von Torre de Rada
Blick vom Turm über die Landschaft Richtung Ebro
Wir erreichen den Eingang zum Gelände, zeigen unsere Reservierung vor und empfangen je eine Sonnenfinsternisbrille und eine kleine Flasche Wasser und fahren dann auf staubigem Weg ein paar hundert Meter bis zur abgesteckten Parkfläche. Wir steigen aus und schauen uns erst mal kurz um. Das Hochplateau wird dominiert durch den Torre de Rada (oder auch Torre de Velasco), einen ehemaligen Militärturm. Vom Turm aus hat man einen weiten Überblick über die Landschaft und über den Ebro.

Außer uns sind nur wenige Besucher vor Ort. Techniker bauen eine Soundanlage auf. Auf dem Platz vor dem Turm stehen ein paar Buden, die aber noch geschlossen sind. Daneben steht ein 1000 Liter fassendes Wasserfass, und auch eine mobile Toilette ist vorhanden. Das Beobachtungsgelände ist eingegrenzt durch Flatterbänder, die ihrem Namen alle Ehre machen, denn es weht ein frischer Wind, was den Aufenthalt etwas erträglicher macht.

Dort hinten wird sich die Sonne verfinstern
Es gibt eine Sitzgruppe mit Tisch, die wir gleich belegen. Wir spannen unseren mitgebrachten Sonnenschirm auf und stecken ihn in einen der bereitstehenden (!) Schirmständer. Dann gibt es erst einmal Mittagessen von Mitgebrachtem: Baguette, Käse, Wurst, Cracker und vor allem viel Wasser! Ich steige die 71 Stufen zum Turm hinauf und schaue mich um, fotografiere das Umland, eine trockene und karge Landschaft. Der Turm wurde restauriert, so daß man bequem hinaufsteigen kann.
Unser »Domizil« für die nächsten sieben Stunden
Der Aufbau der Soundanlage ist beendet, und es folgt ein Soundckeck. Die überlaute Musik veranlaßt uns dazu, unseren Standort aufzugeben und unter einem der aufgestellten Pavillons Platz zu nehmen. Der Wind rüttelt an ihnen, aber sie halten stand. Zwar fehlen jetzt Bank und Tisch, aber wir haben ja unsere beiden Hocker dabei, breiten die Picknickdecke aus und packen unserer ganzen Habseligkeiten darauf. Außerdem haben wir jetzt einen größeren Schatten. Der Boden darunter ist allerdings hart, steinig und von Disteln bewachsen.

Mittlerweile sind die vorhergesagten 38°C erreicht. Wir benetzen immer wieder Waschlappen und Tuch, die uns Kühlung verschaffen, wenn man sie über den Kopf legt. Zusammen mit dem unvermindert wehenden Wind bringen sie Linderung. Außerdem kühlt ein um die Trinkflasche gewickeltes nasses Handtuch das Getränk etwas ab.
Lufttanz
Lufttanz am Torre de Rada
Ein Traktor kommt und besprüht die staubige Straße mit Wasser, denn die Fahrzeuge, die hier entlang kommen, erzeugen lange Staubwolken. Dann füllt sich langsam das Gelände, und gegen 17 Uhr wird es voller, denn zu dieser Zeit fährt ein Shuttlebus von Lodosa aus hierher. Die meisten Besucher sind Einheimische bzw kommen aus der Umgebung. Wir sind so ziemlich die einzigen Ausländer; andere Deutsche haben wir nicht getroffen. Etwa jede halbe Stunde werden Durchsagen gemacht und Verhaltenshinweise für die Finsternis in Spanisch, Katalonisch, Französisch und Englisch über Lautsprecher gegeben. Wir gönnen uns etwas Ruhe.

Lufttanz
 
Die Veranstalter hatten eine kulturelle Umrahmung angekündigt, und wir hatten schon bemerkt, daß aus einem Turmfenster zwei Seile herabhängen. An ihnen läßt sich um 19 Uhr ein Tanzpaar, die Compania Subcielo, herab und führt unter großem Beifall der Besucher einen Lufttanz, eine Mischung aus Akrobatik und Tango, auf.
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